Textbeispiele


Inhaltsverzeichnis
Paul
Die Konferenz
Du sollst nicht fluchen
Der letzte Tag
Mein großer Tag


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Paul


Paul ärgerte sich gern und häufig. Und Paul mochte Erdbeeren. Ersteres sah man ihm häufig an, Letzteres zu seinem Leidwesen nicht. Denn dort, wo Paul derzeit lebte, gab es keine Erdbeeren. Man gab ihm einfach keine. Auch darum ärgerte er sich. Er fluchte über den Tag, wo er so blöde war, den Verlockungen von sagenhaft wohlschmeckendem Fischragout gefolgt zu sein, um damit seine Heimat endgültig zu verlassen. Sicher, er war nicht gerade dick, aber immerhin, wie man sagt, „gut im Futter“. Was überwiegend daher rührte, dass er den Tag am liebsten mit "latenter Aktivität", also im totalen Ruhezustand, verbrachte. Er war ein gestandenes Mannsbild sozusagen. Nur eben derzeit in übler Laune und ohne Erdbeeren.

Eine Zeitlang hatte er versucht, sich auf Erdbeermarmelade zu konzentrieren. Das war jedoch, wie er schnell erkannte, kein adäquater Ersatz für frische Erdbeeren, möglichst direkt vom Feld. Ihm lief allein beim Gedanken an die wunderbare Farbe, den herrlichen Duft, der sich nach dem Eintauchen in Wasser leider schnell verlor und natürlich dem unvergleichlichen süß-säuerlichen Geschmack das Wasser in der Mundhöhle zusammen.

"Verdammter Mist!", so fluchte Paul vor sich hin. Ich brauche Erdbeeren. Jetzt sofort und auf der Stelle. Er erhob sich von seiner Sitzgelegenheit und streckte sich ein wenig. Es wurde Zeit, wieder Richtung Heimat zu kommen. Vielleicht fanden sich auf dem Weg dorthin ein paar dieser köstlichen Früchte. Die göttliche Gerechtigkeit würde schon dafür sorgen, dass ihm ein paar leckere Erdbeeren begegneten. Wenn es eines gab, an das der stets missmutige Paul glaubte, so war es das Glück. Auch wenn ihn eben dieses, oft unverschämte Glück, keineswegs in Freude brachte, so akzeptierte er es immerhin.

Mit langsamen Bewegungen drehte sich Paul um und schaute in die Gegend. Was er sah, macht ihn nicht unbedingt glücklich. Das war auch nicht sein Anliegen. Neugierde allein trieb ihn dazu. Eine Schreibmaschine dort drüben rostete neben dem verrotteten Rest eines Philodendron vor sich hin. Unbenutzt seit Jahren und wer auch immer sie dort abgestellt hatte, er brauchte sie nicht mehr. Rechts daneben ein alter Goldesel für Zigaretten, liegend neben einer grässlich orangefarbenen Butterdose, was irgendwie keinen Sinn ergab. Das musste erkundet werden. Behutsam näherte er sich der Dose mit dem verwaschenen Aufdruck "Tu ware".

"Faszinierend", dachte Paul und begann, an ihrem Verschluss zu fummeln. Warum eine Butterdose luftdicht verschlossen sein musste und dafür einen Verschluss besaß, der fester als ein Panzerschloss hielt, war für ihn unbegreiflich. Paul setzte alle seine Kraft ein, doch dieses verdammte Ding wehrte sich vehement gegen das Öffnen. Grübelnd zog er sich zurück und betrachtete das geheimnisvolle Gefäß von Ferne. Wenn er es nicht bald auf bekäme, würde das den ganzen Abend ruinieren. Solche Rätsel machten ihn völlig kirre und manchmal sogar aggressiv.

Traurig und voller Sehnsucht nach den vielleicht auf immer verborgenen Schätzen in der Dose, schaute Paul Löcher links, rechts und oben neben dem verschlossenen Ding aus Kunststoff in die Umgebung. Es half alles nichts, er musste jetzt wohl Gewalt anwenden, sonst würde er niemals hinter das Geheimnis des Inhalts kommen und einfach wahnsinnig werden.

Mit einem kaum hörbaren Grollen schlich sich Paul an die Dose heran, umschlang sie mit aller Kraft und drückte, zog, presste, zerrte und riss am Verschluss, bis sich die Dose mit einem sanften "Plopp" öffnete. Rasch klappte er den Deckel auf und blickte ins Innere. Nichts. Leer. Absolute und gähnende Leere. Keine Erdbeeren, kein Schatz und noch nicht einmal Butter. Fluchend wandte sich Paul ab und setzte sich völlig frustriert wieder auf seinen Stammplatz auf dem alten Baumstamm. Mürrisch zog er einen Flunsch und verschränkte die Arme ineinander. Draußen, hinter dem Glas, verzog sich die Zuschauermenge. Jemand wechselte das Schild mit der Aufschrift "Paul, Octopus vulgaris (gewöhnlicher Krake), nächste Vorstellung 15.00 Uhr - Fütterung 16.00 Uhr".

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Die Konferenz

ER hatte gerufen und sie waren dieses Mal alle erschienen. Es wurde nötig, weil sich wieder einmal und nach unerwartet kurzer Zeit eine Krise abzeichnete. Eine Glaubenskrise. Die Menschen waren wieder einmal soweit, sich selbst im Namen ihres Gottes zu morden. Das Ziel vor Augen haben sie verloren, so dachte ER seufzend.

ER, der Gott aller Gläubigen schaute sich um. Da saßen sie friedlich schwatzend beieinander. Vorn der Gott der Christen, natürlich mit seinem Sohn Jesus an der Seite. Allah stand mit seinem Propheten Mohamed neben den Geschwistern Shiva, Vishnu und Brahma, die gerade mit Buddha einige fröhliche Worte wechselten. ER lächelte all den kleinen und großen Gottheiten des Sikhismus, Judentums, Shinto zu, die sich rege miteinander unterhielten. Selbst der Mann im schwarzen Anzug, der Scientology vertrat, wurde mehr oder minder freundlich begrüßt. „Irgendwie, “ so dachte ER, „erinnert mich dieser Typ immer an einen bekannten Schauspieler.“ Mit großem Hallo empfingen die versammelten Götter die, wie immer gruppenweise, einfliegenden Engel, Wald- und Naturgötter. Gabriel war zwar nicht der beliebteste aller Engel, aber zumindest bei den weiblichen Mächtigen dank seines Aussehens sehr beachtet. Uriel hingegen machte wie immer ziemlich viel Wind um eigentlich gar nichts. Wogegen einige irische Waldgeister gerade noch so einige Stepptanzschritte unterdrücken konnten, die Pan in seiner Eigenschaft als Vorauskommando der ALTEN zur Begrüßung mit seinem Flötenspiel auslöste. Das Chaos nahm seinen Lauf, als einer der weniger bekannten Götter der Karibik eine Pfeife entzündete, die dicke Schwaden mit dem süßlichen Geruch von Cannabis verbreitete.

ER klatschte in die Hände und begann seine Rede nach der namentlichen Begrüßung aller Anwesenden mit den Worten „Ihr Lieben, ICH habe EUCH zusammen gerufen, weil es wieder in der Welt der Menschen eine Krise gibt. Wie schon vor langer Zeit herrschen Kriege um des Glaubens Willen und unsere geliebte Menschheit droht, sich selbst zu vernichten.“ Zustimmendes Gemurmel war im Forum zu hören. „Wenn wir diesen Krieg ein für alle mal beenden wollen, müssen wir gemeinsam einschreiten und die Menschen zur Vernunft bringen. Doch lasst uns zunächst die aktuellen Ereignisse genauer betrachten.“, schlug ER vor.

Mohamed ergriff das Wort und berichtete über fanatische Imame, Glaubenspolizei und Attentäter in seinem Namen. Empörung kochte im Plenum auf, als der bärtige Prophet vom unsäglichen Versprechen der 72 Jungfrauen erzählte. „Haben die nicht kapiert, dass es sich um weiße Tauben handelt?“, wunderte sich Vishnu laut. Mohamed schüttelte mit betrübter Miene den Kopf. „Nein, inzwischen scheint jeder unser Grundwerk der Menschlichkeit, bei uns „Koran“ genannt, jeweils so zu deuten, wie es ihm in den Kram passt. Liebe Vishnu, Frauen werden von einigen vermeintlich Gläubigen schlimmer als Dreck behandelt.“ ER hob die Hand, um die unmittelbar nach des Propheten Worte aufsteigende lärmende Diskussion zu beruhigen. „IHR Lieben, lasst uns mehr hören und dann beraten. Wie schaut es in Asien aus? Wer mag aus China berichteten?“ Konfuzius verbeugte sich höflich lächelnd in die Runde und sprach mit leiser Stimme, „Die Zahl der Glaubenden wird immer weniger. Die Schreine der Ahnen verwaisen und, Hochwürdiger, meine Kräfte schwinden immer mehr.“ Heftiges Gemurmel und Kopfnicken bestätigte, dass es auch anderen Gottheiten und Propheten so erging. Denn je weniger Gläubige es gab, desto weniger Kraft war dem jeweiligen Gott noch verblieben.

Allah ergriff das Wort. „Ich bemerke ebenso schon seit längerer Zeit, dass die Zahl der Gläubigen stark abnimmt. Dafür wächst die Zahl der Fanatiker, die unseren Glauben zum Instrument ihrer eigenen niederen Gelüste machen. Schon lange hält sich nur noch eine Minderheit an unsere Gebote. Es ist eine Katastrophe, dass UNSER Wort falsch ausgelegt und missbraucht wird. Ich weiß nicht, was Jesus dazu sagt? Du bist doch dauernd inkognito auf der Erde und ich vermute mal, du hast IHM über die Krise berichtet.“

Jesus bedankte sich für das Wort bei Allah und blickte mit seinen großen Augen in die Runde. Unwillkürlich wollte er wie immer seine langen Haare zurückstreichen, schaute jedoch in letzter Sekunde in das grinsende Gesicht des Scientology-Mannes. „Ich kann Allahs und Konfuzius Worte nur bestätigen.“, sagte er leise, wie es seine Art war. „Die Moscheen und Kirchen werden immer weniger besucht und die Rücksichtlosigkeit der Menschen ist biblisch, um es mal christlich auszudrücken.“ Shiva zeigte ihr frostigstes Lächeln und blickte vielsagend zu Brahma, der sich angelegentlich mit den Wolken am Himmel beschäftigte. „Jesus“, rief sie mit eisiger Stimme, „meinst du nicht, dass ihr beiden großen Religionslehrer selbst an dieser Misere schuldig seid? Was habt IHR denn dafür getan, EURE Gläubigen am Wort und an den Lehren zu halten?“ Jesus zuckte mit den Schultern. „Weißt du, liebste Shiva“ sprach er sanft, „wenn du einem Kind einhundertmal sagst, dass es nicht zu schnell laufen soll, weil es sonst fällt, dann kannst du es vielleicht einhundert mal verhindern. Doch wessen Wille ist es, wenn dieses Kind beim einhundertersten Mal läuft und auf den Boden fällt? Wir alle können den Menschen nur Rat erteilen, nicht jedoch dafür sorgen, dass sie ihn auch annehmen!“

Brahma nickte zustimmend und fing sich dafür einen überaus giftigen Seitenblick seiner Schwester ein. ER sprach „Ich denke, das größte Problem sind nicht die Nichtglaubenden, sondern die Irregeleiteten, die anderen Glaubenden Angst und Schrecken einjagen. Wir hatten die Kreuzzüge geistig verwirrter Kirchenoberen der Christen und wir haben jetzt die Attentäter des Islam, die UNSERE Namen missbrauchen. Das muss ebenso aufhören, wie dieser Unsinn, den die selbst ernannten „Vertreter auf Erden“, allen voran der Papst der Christen, tagtäglich verzapft. Diese weltfremden Spinner müssen in allen Religionen endlich eine Lektion erteilt bekommen!“, forderte ER mit lauter Stimme. Zustimmung brauchte nicht eingefordert werden, ER sah nur nickende Köpfe. Gut, einer nickte nicht, der Dalai Lama. ER lächelte ihn an und schickte dem Kahlrasierten einen beruhigenden Gedanken. „Keine Sorge, ich werde aufpassen, dass es friedlich bleibt, mein Lieber. Dein nächstes Leben ist nicht in Gefahr!“ Der Dalai Lama verneigte sich und lachte. „Ich danke dir, Ehrwürdiger.“

Inzwischen diskutierte man heiß über die zu treffenden Maßnahmen. Es ging hoch her im Forum, selbst die Engel konnten kaum ihre Flügel an sich halten. Kaum jemand nahm wahr, dass sich verspätet auch einige der alten Götter der Menschheit hinzu gesellt hatten. Zeus, Thor, Odin und natürlich Luzifer, der alte Höllenfürst, der sich bei Hades eingehakt hatte und schwatzend, von Rauch umweht die Runde betrat. ER ließ die Gottheiten von seinem Sitzplatz aus in Gedanken Revue passieren und versuchte zu schätzen, worin wohl der Beschluss enden würde. Sorgenvoll betrachtete ER die erhitzten Gesichter und die wilden Gesten seiner Mitstreiter in Sachen Glauben. Einer nur stand am Rande des Trubels und staunte kopfschüttelnd in die tobende Menge. Der Vertreter der Nichtgläubigen und Atheisten verstand offenbar die ganze Aufregung nicht. ER hob erneut die Hand und bat laut um Ruhe. „Ich vermute, dass unser geschätzter Atheistenvertreter auch etwas sagen möchte.“, rief ER mit aufforderndem Blick zum langmähnigen Schwarzgekleideten. „Danke“, erwiderte dieser. „Ich möchte anregen, diese Sache mit dem Glauben schlicht und einfach zu beenden. Dann gibt es auch keinen Fanatismus mehr, keinen Glaubensstreit und keine Diskussionen über Gut und Böse. Niemand kann sich auf die Bibel, den Koran oder was auch immer berufen, wenn es keine Kirchen, Moscheen und Schreine mehr gibt. Ich meine, wir wären dann alle theoretisch arbeitslos, doch was schadet es, wenn wir alle die Nichtglaubenden gemeinsam vertreten?“ Ungläubige Stille trat ein. „Wie wäre es denn“, fuhr der Mann in Schwarz fort, „wenn wir die Grundlage für alle Attentäter und Missbrauchenden einfach entziehen? Kein Glauben – kein Krieg! Mal abgesehen von den Machtbegierden aus reiner Herrschsucht. Aber wir könnten damit eine Menge Frieden erzwingen, indem wir uns und unsere Glaubensideen abschaffen!“ Nach diesen Worten brach die Hölle aus, um es mit Luzifers Worten zu sagen. Keine Religion mehr, das geht gar nicht, war die einhellige Meinung. Die Menschen brauchen Halt und etwas, woraus sie in schlechten Tagen Mut und Trost schöpfen können. Dann schon lieber wieder eine Sintflut oder einen Kometenhagel wie die letzten beiden Male. Luzifer warf ein, „Ich bin für Feuer! Schön heiß und mit lodernden Flammen. Einen prima Feuersturm über die ganz Erde und es herrscht Ruhe.“

„Leute!“, erhob ER seine Stimme. „LEUTE, bleibt doch mal ruhig. Ich meine, wir haben doch die Menschen nach unserem Ebenbild geschaffen und da sollte es doch möglich sein, sozusagen von innen heraus diesen Wahnsinn auf der Erde zu beenden.“ Thor stupste Odin in die Seite und rief „IHR könnt ja noch einmal neue Gebote in Steintafeln schreiben und auf die Erde bringen.“ Odin hob sein Trinkhorn und grölte zustimmend „Jo, Thor leiht EUCH bestimmt seinen Hammer dafür!“ „Sehr witzig“, grummelte Zeus vorwurfsvoll in Richtung der beiden Altgötter. „Werdet mal wieder nüchtern, ihr Kältekrieger! Nur weil ihr nichts mehr zu tun habt und den ganzen Tag feiern könnt …“ Der Mann von Scientology wandte mit ruhiger Stimme ein, „Ich könnte EUCH meine Kenntnisse in Gehirnwäsche zugute kommen lassen. Das wirkt nahezu immer und ist sehr effizient.“ „Klar“, zischte Jesus, „macht Sinn bei mehr als sieben Milliarden Seelen. Wie lange soll das denn dauern?“ Jesus drehte sich um und schlug vor, „Wie wäre es denn, wenn wir wieder auf das bewährte System der Botschafter und Propheten zugreifen? Mohamed und ich haben da prima Erfahrungen und könnten die Leute ausbilden.“ Vishnu warf zweifelnd ein „Na ja, und nachher kreuzigen sie dich wieder, oder was?“ Großes Gelächter war von allen Seiten zu hören und Jesus bekam rote Ohren. „Nein“, sprach Mohamed, „Die Idee ist gut, wir müssten nur dafür sorgen, dass es Menschen auf der Erde gibt, die stark genug sind, sich gegen den Fanatismus und das Machtgehabe fortwährend zur Wehr setzen können. Und die Idee mit den neuen Geboten finde ich nicht einmal so falsch. Lasst uns doch einmal nachdenken, worauf die meisten Menschen der Welt reagieren, wenn es um Botschaften geht.“ Hades flüsterte einen Moment mit Luzifer und erhob dann seine Stimme: „Schickt sie alle zum Teufel, macht die Menschheit platt, vernichtet sie alle. Lasst uns einfach neu anfangen, denn ich glaube, die ganze Sache lohnt sich nicht mehr.“ Das löste einen Aufruhr ohnegleichen aus. Shiva brachte es auf den Punkt. „Alter, wir lieben die Menschen. Außerdem ist das Experiment noch lange nicht beendet, du Höllenfürst. Oder willst du dich am kalten Herd zur Ruhe setzen und dich frierend langweilen?“.
Konfuzius verbeugte sich und sprach leise „Bedenkt, nichts sorgt für mehr Gedanken als das geschriebene Wort. Lasst uns die Schreibenden der Erde damit beauftragen, für Frieden zu sorgen. Und lasst andere Menschen erkennen, dass es wichtig ist, lesen und schreiben zu lernen. Bringt die Schreibenden dazu, sich über falsche Moral hinweg zu setzen und IHR werdet ernten, was IHR an Gutem sät. Schon immer waren es die Schriftkundigen unter den Menschen, die weitreichende Fantasien erdachten, die später eintrafen. Denkt nur an Jules Verne, George Orwell, John Lennon und viele andere Menschen der Neuzeit. Der Weg ist nicht das Ziel, doch das Ziel wird durch den Weg erreicht.“

ER blickte über die Menge der Gottheiten und sah ausnahmslos Zustimmung in den Gesichtern. „Das ist eine gute Idee, mein lieber Konfuzius. Lasst uns zur Abstimmung kommen. Wer ist für den Vorschlag von Konfuzius? Einstimmig, wie ich sehe!“ Erleichtert lehnte sich ER zurück und wischte sich einen kleinen Schweißtropfen von der Stirn. „Dann danke ich EUCH und wünsche eine angenehme Heimkehr in EURE Rückzugsorte.“ Ein Rauschen war nur kurz zu hören und es herrschte Stille und Leere um IHN herum. ER spürte dem vergangenen Trubel noch ein wenig nach, um dann kopfschüttelnd dem Wunder dieser Konferenz seinen Tribut zu zollen. ER dachte, „Multiple Persönlichkeit würden die menschlichen Ärzte jetzt diagnostizieren, hätten sie das eben erlebt. Auch ICH muss jedoch manchmal ein wenig mit mir selbst diskutieren. Nur wenige Menschen wissen, es gibt nur MICH, den einen Gott. Doch habe ICH viele Namen und viele Gesichter. Wozu also dieser Stress, ihr Menschen?“ Mit diesen Worten drehte er sich um, die schreibenden Menschen mit dem neuen Auftrag zu impfen. Und für die nächste Konferenz würde ER das Thema „Vielfalt“ ansprechen. ER grinste und schaute auf seine weiblichen Formen.


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Du sollst nicht fluchen

Verdammter Köter! Hermann warf die Decken und Felle von sich und stieg ächzend mit einem Fluch auf den Lippen aus seinem Bett. Warum kümmerte sich niemand um diesen blöden Köter, der draußen wie wild kläffte. Vor sich hin fluchend und etwas sehr Unanständiges brabbelnd, schlurfte der breitschultrige und krumm gebeugte Mann in seinem schmutzigen Nachtgewand zur Haustür. Weit hatte er es nicht, denn sein Haus an der Stadtmauer bestand nur aus einem einzigen Raum, in dem sich Hühner, Katzen, Hunde und wahrscheinlich auch einige Ratten die wenige Wärme aus dem Kamin mit Hermann und seiner Frau teilten. Überhaupt, wo war diese? Lotte sollte doch immer schon eingeheizt haben, wenn er aus dem Bett stieg und seiner Arbeit nachgehen musste.

Wie auch immer, inzwischen polterte es an der Tür aus massivem Holz, dass sie in den Angeln krachte. Hermann fluchte nun lauter und schob den Riegel zurück. Wer in Gottes Namen störte in dieser Frühe schon seine wohlverdiente Ruhe. Er öffnete die Tür und blickte grimmig auf den Hauptmann der Stadtwache, der widerlich wach und mit glänzender Rüstung vor ihm stand. "Hermann", grinste der Hauptmann breit, "du stinkst wie ein ganzes Fass Bier." Hermann brabbelte etwas in seinen Bart und beherrschte sich gerade noch rechtzeitig, als etwas weit oben zwischen seinen Beinen zu jucken begann. "Verdammtes Läusepack!", dachte er und grinste grimmig zurück. "Hauptmann, der gestrige gute Abschluss meiner Arbeit für den Thronfolger musste doch gebührend gefeiert werden, meint Ihr nicht?" Hermann spuckte aus und traf mit gezieltem Strahl die Katze, die an ihm vorbei nach draußen huschte. "Was ist Euer Begehr so früh?", fragte er, während er noch Reste des Abendessens aus dem Bart klaubte. "Ihr seid doch sonst nicht mit den Hähnen auf der Straße", wunderte sich Hermann.

"Der Thronfolger schickt mich erneut." erwiderte Hauptmann Wolfhardt. "Er braucht Eure Kunst ein weiteres Mal. Heute zur Mittagszeit werdet Ihr noch einmal ein Beispiel eurer Kunst zeigen müssen. Wir erwarten euch pünktlich, mein Lieber. Sonst droht Euch Schlechtes, obwohl der Herr heute außerordentlich gute Laune hat." "Ja, ja", winkte Hermann ab. "Ihr müsst erst Ersatz für mich finden und das wird nicht leicht. Denn niemand vermag das zu tun, was ich kann. Ich bin der Beste, den Ihr in Hunderten von Meilen finden werdet. Doch sei es, wie es kommt, ich bin rechtzeitig da, verlasst Euch darauf, Herr."

Hermann knallte die Tür hinter sich zu und bekreuzigte sich. Dieser Thronfolger bekam auch nie genug von seiner Arbeit. Was ist nur in ihn gefahren, dass er ihn in dieser Woche schon das fünfte Mal rief? Nun gut, es wurde Zeit. Wo seine Frau nur blieb? Ob sie auf dem Marktplatz nach Gemüse suchte? Verdammt, er musste sich nun seine Stiefel allein anziehen. Eine schnelle Wäsche mit den Händen durch das Gesicht, den ledernen Wanst angezogen und die blank geriebenen Beinkleider angelegt. Die Stiefel bereiteten ihm Mühen und er verfluchte seine Frau, die mit ihren Kräutern seine schlimmen Beine noch immer nicht geheilt hatte. Die Hexe, wie er sie spöttisch nannte, war eine der kundigen Kräuterfrauen mit dem alten Wissen. Natürlich war das verboten, doch was soll es, wenn die Gebete in der Kirche nicht halfen, mussten die alten Künste eben her. Doch man sprach nicht darüber, denn es war gefährlich, als Hexe zu gelten. Jedenfalls war sie noch immer nicht zurück und Hermann bekam nur mit großen Mühen seine Stiefel an die Füße. Jetzt noch den Rest der traditionellen Bekleidung und dann das Wichtigste, sein Werkzeug. Da ging ihm doch immer wieder das Herz vor Freude auf, wenn er den blanken Stahl betrachtete und das mächtige Holz streichelte, in dem er ruhte. Ein wunderbares Stück Handwerksarbeit war dieses Werkzeug seiner einzigartigen Kunst. Die nur er beherrschte und in dieser Stadt ausüben dürfte. Ein herrliches Gefühl von Vorfreude auf die nun folgende weitere Vorführung seiner uralten Kunst vor dem Thronfolger und seinem Gefolge. Vielleicht schaute sogar Volk zu, wenn er wieder einmal zeigen durfte, was er zu leisten imstande war.

Hermann griff sich sein Werkzeug und machte sich auf den Weg. Es war kaum ein Durchkommen in den engen Straßen der Stadt. Doch ehrfürchtig machten ihm die Einwohner Platz. Seine Bekleidung schuf Respekt, den er sich verdient hatte. Nicht einmal die sonst so lästigen Kinder trauten es sich, ihm hinterherzulaufen und zu berühren. Immer kräftiger schritt er aus und seine Haltung straffte sich, er ging immer aufrechter, je näher er seinem Ziel kam. Ja, er liebte seine Arbeit, diese unvergleichliche Kunst, sein Werkzeug zu bedienen. Er liebte die Öffentlichkeit und das leise Raunen, das sein Handwerk belohnte.

Hermann war am befohlenen Ort angekommen. Der Thronfolger saß auf seinem Stammplatz, um ihn herum sein Gefolge und die Stadtwache zu seinem Schutze. Wolkan der Dritte nickte ihm huldvoll zu und signalisierte mit einem kleinen Wink, er möge beginnen. "Was für ein Mistkerl", dachte Hermann und unterdrückte mit einem leichten Nicken seine verachtenden Gefühle. Er stieg die wenigen Stufen zu seinem Wirkungsort hinauf. Dort konnte ihn jeder sehen und das, was seine einmalig präzise Arbeit war, die niemand in dieser Stadt so hervorragend beherrschte wie er. Das Objekt, das er nun bearbeiten sollte, war schon bereitgelegt und war mit einem einfachen Stück Tuch bedeckt. Der Thronfolger musste wahrhaftig gute Laune haben, denn es war sonst nicht üblich, soviel Aufwand zu betreiben. Egal wie, Hermann würde seine Arbeit auch blind verrichten können, so begabt und routiniert war er.

Der große Mann ergriff sein Werkzeug und fuhr noch einmal prüfend über den Stahl. Er küsste das Holz und schlug voller gewaltiger Kraft zu. Mit einem dumpfen Geräusch schlug sein Werkzeug in den Klotz vor ihm ein. Der Kopf einer Frau rollte in den Sand zu seinen Füßen. Der Kopf seiner Frau. Der Frau des Henkers, die Kräuterfrau, die Hexe. Der Thronfolger grinste breit und gab seiner Stadtwache einen Wink. Hermann fluchte.

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Der letzte Tag

Heute ist mein letzter Tag
Der meines Lebens
Das habe ich so beschlossen und verkünde es hiermit
Für mich wird es kein morgen mehr geben
Heute ist Schluss

Heute ist mein letzter Tag
Der letzte Tag, an dem ich arbeite
Den Arbeitsplatz aufräumen
Ohne Reste aufstehen und gehen
Für immer

Heute ist mein letzter Tag
Ich kaufe nur noch das ein, was ich für heute brauche
Gebe meine Pfandflaschen ab
Bringe den Müll runter
Alles ist sauber

Heute ist mein letzter Tag
Die schönste Musik aus den Lautsprechern
Ein kleines Gedicht auf dem Papier
Genuss bis zur letzten Sekunde
Für mich allein

Heute ist mein letzter Tag
Blumen für Dich
Ein „Ich liebe Dich“
Und das gemeinsame Lachen, das viel zu oft
viel zu schwer fiel

Heute ist mein letzter Tag
Ein letzter Schluck Wein
Ein letzter Kuss von dir
Eine letzte Umarmung
Voller Liebe und Wärme

Heute ist mein letzter Tag
Ich lege mich ins weiche und warme Bett
Denke an die Schönheit dieses Tages
Spüre der Zufriedenheit nach
Und schlafe glücklich ein

Am Morgen des neuen Tages
beschließe ich lächelnd:
Heute ist mein letzter Tag

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Mein großer Tag

Heute ist mein großer Tag. Ich habe eine Verabredung, die mich schon seit Tagen völlig irremacht. Mal ganz abgesehen davon, dass alles drin ist und ich vorsichtshalber sogar meine Zahnbürste einpacken werde. Ich halte es kaum aus und die Lust steigt in mir hoch, dass ich schwer an mich halten muss, um mich nicht zu erleichtern. Nackt steige ich in die Badewanne und genieße dieses hoch erotische Gefühl im warmen Wasser. Ich freue mich auf ihn, ohne Frage. Sanft gleite ich in der herrlich duftenden Flüssigkeit umher und wieder ertappe ich mich dabei, dass meine Hände ganz nah beim empfindlichsten Punkt meines Körpers sind. Nein, ich will mich aufsparen. Für ihn.

Ich rasiere mich sorgfältig, creme mich nach dem Abtrocknen ein und betrachte nochmals meine Figur kritisch vor dem großen Spiegel. Hmmh, es ist nicht übel, was ich dort sehe. Nackt gehe ich zum Kleiderschrank und wähle die passende Bekleidung für heute aus. Strumpfhose oder Strümpfe? Ich wähle die schwarzen Edelstrümpfe und ziehe sie mir mit streichelnden Bewegungen über meine glatten Beine. Ein absolutes Hochgefühl überkommt mich, als ich am oberen Rand der Beine ankomme. Ich könnte schon jetzt das erste Mal einen Höhepunkt bekommen, wenn er mich jetzt auch nur anschauen würde. Die passenden Schuhe wähle ich sofort, da gibt es keine Frage, welche es ein müssen. Natürlich die etwas höheren Schwarzen, damit beim Gehen mein Po ein wenig besser zur Geltung kommt. Ich schaue mich an, wie ich nackt, nur in Strümpfen und Schuhen vor dem Spiegel stehe.

Ich umfasse meine viel zu kleinen Brüste und spüre sofort die Erregung in mir aufkommen. Langsam und fast schon widerwillig wähle ich die Unterwäsche aus. Eigentlich würde ich gern nackt unter dem schwarzen langen Kleid bleiben, doch das traue ich mich nicht. Nicht heute, nicht beim ersten Mal. Außerdem liebe ich das Gefühl der seidigen Wäsche auf der Haut. Ich bekleide mich mit BH und Slip, drehe mich noch einmal vor dem Spiegel, um dann in das Kleid zu schlüpfen. Dieser Stoff berauscht mich, macht mich total wahnsinnig vor Lust. Ich liebe dieses Gefühl auf der Haut und kann es kaum noch aushalten.
Die Zeit rennt mir davon, er ist gleich da. Ich gebe noch ein wenig Styling in meine Frisur, lege das liebste Parfüm auf und schminke mich dezent. Beim Nachziehen meiner Lippen mit dem Lipgloss stöhne ich leicht auf, weil wieder eine Welle der Vorfreude in mir hochkocht.

Die Handtasche jetzt noch schnell mit einem Kondom bestückt und schon klingelt es an der Tür. Ich drücke auf den Türöffner und verlasse die Wohnung. Mein Herz klopft bis zum Halse, als ich in den doch recht ungewohnten Schuhen die Treppe hinunter zur Straße gehe. Die neugierige Nachbarin von unten stößt mit meinem Liebsten zusammen, als er die Haustür öffnet. Höflich wie immer will er ihr den Vortritt lassen, doch sie bleibt gebannt mit den Augen an meiner Erscheinung hängen.

„Wollen sie zu einem Kostümball, Herr Müller?“ fragt die blöde Alte neugierig.

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