Archiv für July 2016

Wir heiraten - eine Geschichte, die auch gut eine Rede sein konnte

Da waren sie, diese Worte, die ich nie vergessen werde. Die sich in mein Hirn gebrannt haben, seitdem ich sie zum ersten Mal hörte. Vor mehr als einem Jahr erklangen sie, diese beiden Wörter mit den insgesamt 11 Buchstaben. „Wir heiraten!“ Versehen mit einem deutlich hörbaren Ausrufezeichen standen sie im Raum und waren nicht mehr weg zu denken.

Wir heiraten. Punkt. Beschlossen, verkündet und nicht mehr rückgängig zu machen, weil jetzt ja alle Bescheid wissen. Oma hier, Oma dort, Opa, Mama hier, Mama dort, Vater hier und noch einer da, Geschwister, Tanten, Onkel, Freunde und ach …. eigentlich alle wussten es schneller, als manchmal gewünscht war. Nur eine Kunde von einer ungewollten Schwangerschaft der künftigen Braut hätte sich schneller verbreitet.

Wir heiraten! Mein Gott, ich höre es noch heute und denke daran, was jetzt alles zu bedenken, zu tun ist. Liebe Gäste, viele von euch haben das ja auch schon einmal oder mehrfach hinter sich gebracht. Herrjeh, ich brauche eine Liste, so der erste Gedanke.

Lasst mich nachdenken, nur einen Moment.

Muss man eigentlich eine Hochzeitsmesse besuchen? Wer organisiert das Ganze überhaupt oder machen das die Brautleute allein? Himmel, um was man sich alles kümmern muss … Schuhe, ich brauche Schuhe! Und was ziehe ich an?

Ach ja, das Brautkleid. Natürlich an erster Stelle stehend. Das wird eine Qual, wegen der Figur, den Haaren, den Schuhen überhaupt und was trägt Frau darunter? Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geborgtes, etwas Blaues, so ist der Brauch. Mein Gott, da geht es schon los. Und was trägt der künftige Ehemann? Anzug, selbstverständlich! Aber da ist doch die Figur, die Haare müssen geschnitten und frisiert werden, die Füße in ordentliche Schuhe und die dürfen nicht drücken. Aber vorher tragen geht doch auch nicht, der Kerl kann sich ja nicht vorsehen und macht sie dreckig. Ach du meine Güte. Schwarzer Anzug oder etwas Farbiges? Passt es überhaupt zum Brautkleid? Aber das darf der Bräutigam doch vorher nicht sehen! Und wie geht das überhaupt mit dem Umziehen ohne sich zu sehen? Wo überhaupt und wann? Ach ja, wann wird denn überhaupt geheiratet? Und wo?

Wo wird gegessen, was wird gegessen, kann man zur Probe essen und wie kommt man dorthin. Wie kommt man dort weg und in welchem Zustand vor allen Dingen?

Was ist mit der Oma, die darf sich keinen tüddeln, sonst singt sie wieder. Und tanzt trotz Arthrose munter Samba mit den jungen Kerlen. Wo wir gerade dabei sind, wer ist eigentlich eingeladen und warum nicht, wenn nicht. Wie viele Personen werden wir, und ach … kann man auch später am Abend Turnschuhe anziehen?

Tanzen, fällt mir gerade ein. Wer kann tanzen wer nicht und zu welcher Musik. Die Musik, autsch. Wer macht Musik und wie? Vor dem Essen oder nach dem Essen und während des Essens vielleicht auch? Und wird bedient?

Fragen über Fragen, ich werde immer hektischer und meine Liste immer länger. Was wird getrunken? Und wie? Flaschen geht ja gar nicht, da müssen es schon gut geschenkte und gepflegte Getränke sein. Ach ja, Geschenke? Was soll geschenkt werden? Geld für die Reise ist eine gute Idee, schließlich steht genug Geschirr im Schrank und Ordnung zu halten ist ohnehin so eine Sache, die überbewertet wird. Geld ist gut, das muss nur allen gesagt werden. A pro Pos gesagt, Einladungskarten müssen her und rechtzeitig geschrieben werden. Es wird zwar sowieso noch tausendmal gefragt, wann und wo das Ganze stattfindet, aber noch wird ja erst geplant.

Tanzen, hatte ich schon das Tanzen? Mein Gott, der Brautvater braucht einen Tanzkurs und am besten der Bräutigam auch. Frauen können ja von Natur aus tanzen, denke ich mal. Und außerdem sind die Füße der Frauen meist wegen langer Kleider nicht zu sehen. Nur die Männer stoppeln so herum oder halten krampfhaft mit den Händen die Theke fest, wenn es ans Tanzen geht. Da braucht es einen guten Animateur. Liste!

Auto, verdammt, das Auto ist noch nicht auf der Liste. Und überhaupt, sind Standesamt und Feier getrennt zu feiern oder nicht? Standesamt! Autsch, der Ausweis muss verlängert werden oder nicht? Die ganzen Unterlagen und erst einmal der Termin. Und dieser Termin wieder mit dem Termin im Lokal und dem Termin für die gefühlten zehn Millionen anderen Sachen, die jetzt alle auf meiner Liste stehen. Ich könnte mir schon jetzt die Haare raufen.

Haare! Nein, die Haare müssen ja auch gemacht werden. Welcher Frisör macht denn kurz vor Hochzeit noch die Haare? Ich brauche einen Schnaps! Aaaaaaah, bei Schnaps fällt mir der Sekt ein. Beim Standesamt braucht es Sekt und dafür braucht es Gläser und der Sekt muss gekühlt sein, es ist ja Sommer und dafür braucht eine Kühlbox …. Ich werde wahnsinnig.

Wird eigentlich noch auf Hochzeiten gespielt? Wer macht sowas und was? Ich mache mir so viele Gedanken und würde am liebsten …. Nein, nein, nie. Weiter geht es, ich bin ja kein Kind mehr.
Das Kind. Noch ist ja keines da, aber man muss ja schon mal darüber nachdenken, dass unweigerlich nach der Hochzeit die Schwangerschaft eintreten könnte. Von wegen Hochzeitreise und so. Oh … Hochzeitreise. Wohin und wann und überhaupt wie eigentlich?

Halt, Struktur braucht es, zurück zu den Kindern. Die Kinder? Egal, es braucht Wäsche für die Kinder. Und Namen natürlich. Was kommt zuerst, die Wäsche oder die Namen? Das ist schon fast die Frage, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Namen für Jungen, Namen für Mädchen, ich muss mir Gedanken machen. Oder noch eine Liste. Die aber für später, erst braucht es die Hochzeitsliste zurück.

Ich brauche keinen Schnaps, ein Stück Kuchen hilft. Hilfe, ich muss an die Hochzeitstorte denken. Liste!


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